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Wallach .:. Licht um Mitternacht

Wallach, Erica, Licht um Mitternacht. Fünf Jahre in der Welt der Verfemten. Zürich: Ex Libris, 1969. 527 Seiten. Leinen mit Schutzumschlag.
* Vorwort von Jeanne Hersch. - Leicht gebräunt.

Wallach Erica | Russland | Sowjetunion | Autobiographie | Memoiren




 Wallach .:. Licht um Mitternacht

Eine Frau, achtundzwanzig Jahre alt, glücklich verheiratet mit einem Amerikaner, Mutter von zwei kleinen Kindern, forscht 1950 in OstBerlin nach ihren früheren Wohltätern, die verschwunden sind, wird unschuldig verhaftet und fünf Jahre lang in ostdeutschen und russischen Gefängnissen und in Straflagern verlocht. Sachlich, oft mit Humor und Selbstironie, erzählt sie, welchen Torturen sie ausgesetzt war, wie sie ein halbes Jahr lang auf die Vollstreckung des Todesurteils wartete, wie sie, weil man ihr nichts nachweisen konnte, zu fünfzehn Jahren Arbeitslager «begnadigt» wurde und in der Eishölle von Workuta am Eisenbahnbau arbeitete. Wichtiger als die Schilderung dieses Grauens aber ist es, dass Erica Wallach uns miterleben lässt, wie sie die körperlichen und seelischen Qualen zu ertragen und jeden Hass zu überwinden vermochte. Sie weiss, dass viele Menschen leiden, auch wenn sie nicht im Gefängnis sitzen; diesen Menschen zeigt sie, dass es nichts Schlimmeres gibt als «die Mischung zwischen Angst und Mitleid» und dass der Mensch über Kräfte verfügt, die er nicht kennt. Diese seelischen Kräfte weckte und übte sie im Kerker und im Arbeitslager, so dass sie, wieder in Freiheit, sagen konnte, die Jahre harter Entbehrungen und Leiden hätten ihr mehr gegeben als genommen. Ein «unschuldiger Stolz», so schrieb die Genfer Philosophin Jeanne Hersch über dieses erschütternde Dokument, «zeigt sich in der Selbstironie, in der trockenen Schilderung des Entsetzlichen, in der Sachlichkeit im Verhältnis zu den Feinden, in der zurückhaltenden Wortwahl, in der Vorliebe für ganz konkrete Einzelheiten, die — als Fakten — weder lügen noch übertreiben. Hier ist tatsächlich ein Mensch eins mit seinem Stil».


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