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1. 1884. VIII, 441 Seiten. 2. 1886. 429 Seiten. 3. 1888. 498 Seiten. 4. 1893. 532 Seiten. 5. 1896. 400 Seiten. 6. 1901. XXXI, 374 Seiten mit Faksimile der Handschrift Anshelms und Register. https://www.digibern.ch/katalog/berner-chronik-valerius-anshelm ![]() "[Anshelms] 1529–1546 entstandene, in humanistischer Tradition annalistisch strukturierte Berner Chronik stellt, nach einer ausführlichen Einleitung und «Besserungen» der bernischen Frühgeschichte und der Burgunderkriege, vor allem die Zeitgeschichte von 1477–1536 dar. Der Text zu den Jahren 1526–1536 ist nur fragmentarisch erhalten. Anshelm stützt sich in seiner Chronik in grossem Umfange auf amtliche Dokumente und auf Augenzeugenberichte; seine Darstellung besticht durch einen weiten Horizont und klare Urteile. In seiner betont protestantischen Weltsicht wendet sich Anshelm vehement gegen die Reisläuferei und das Pensionenwesen und fordert eine Reformation in allen Lebensbereichen. Auf die aussergewöhnlichen Qualitäten der Chronik hat bereits Leopold von Ranke hingewiesen." Urs M. Zahnd Einleitung. Der Werth der Chronik Anshelm's für die Kenntniss der Bernischen und Schweizerischen Geschichte ist den Kundigen von Alters her nicht verborgen gewesen. Immerhin ist es auffallend, dass sie nicht nur ungedruckt geblieben ist, sondern dass auch nur sehr wenige und unvollständige Abschriften scheinen gemacht worden zu sein, 1) während die Stadtchroniken von Justinger und von Diebold Schilling unzählige Mal copirt worden sind, weil jeder Bernische Geschichtsfreund, jede angesehene Familie diese Quelle zu besitzen wünschte. Vielleicht genügt die Grösse des Werkes zur Erklärung dieser That-sache, vielleicht haben andere Motive mitgewirkt. Erst M. Stettler hat eigentlich das Verdienst , auf die Bedeutung Anshelm's aufmerksam gemacht, seine Chronik der Vergangenheit, zum Theil sogar dem Untergange entrissen zu haben. Allein gerade die Nachrichten, die man jetzt in Stettlers Neubearbeitung fand und in seiner gedruckten Chronik zugänglich hatte, trugen dazu bei, A. scheinbar zu ersetzen und deshalb neuerdings in den Hintergrund treten zu lassen. Jakob Lauffer wenigstens , der in Bern lebende Verfasser der «Genauen und umständlichen Beschreibung Helvetischer Geschichten » (Zürich 1736-39), scheint A.'s Werk gar nicht gekannt zu haben, wenn er in seiner Vorrede über den Mangel an brauchbaren Vorarbeiten sich beklagt, und im Eingang von seinen Quellen behauptet (Seite 24): « Ihre Werke gleichen mehr Annalen oder Zeit-Büchern, da man sich einfältig vergnügt auszuschreiben, was sich zuträgt, ohne die Ursachen, die Rathschläge, den Zweck und dergleichen beizufügen. » — « Neben dem ist ihre Schreibart allzu niedrig und allzu trocken, und erhöhet die Sachen nicht nach ihrer Würdigkeit » Besser wusste dagegen kurz hernach ein anderer Berner Professor den Chronikschreiber und seine Arbeit zu schätzen : Samuel Scheurer nennt in seinem « Bernischen Mausoleum » (Bern 1740-44) den Val. Anshelm einen « getreuen Verfechter der evan-gelischen Lehre, einen nicht geringen Beförderer der Reformation in Bern, einen Mann, der nicht nur des Leibes, sondern auch der Seelen Arznei wohl verstund, des Religionsgrundes und Gottes Wort wohl kundig war, den Berchtold Haller und Seb. Meyer wohl auch ihren getreuen Mitgehülfen hätten nennen mögen. » 2) Gleichzeitig, möglicherweise noch vorher, brachte Bodmer's « Helvetische Bibliothek » in ihrem VI. Stück (Zürich 1741) S. 268 einige Nachrichten über A. und seine Chronik. Der kurze Artikel beginnt mit der Bemerkung : « Keiner von unsern Geschichtschreibern hat Val. A.'s gedacht oder zu vernehmen ge-geben, dass er ihn gekannt oder seine historischen Schriften gebraucht habe ». « Indessen verdient er in Wahrheit bekannter zu werden, sowohl was seine Person, als was seine Schriften anlanget ». Eingehender, wenn auch nicht durchaus richtig, spricht so-dann G. E. Hallers « Bibliothek der Schweizer-Geschichte» von A. (IV No. 624). Er erklärt, dass seine Arbeit « des Druckes wegen ihrem Inhalt und den unzähligen eingerückten Urkunden allerdings würdig » wäre, und nennt seine Schreibart « heftig nachdrücklich, freimüthig, zuweilen allzu hochtrabend». Sehr günstig beurtheilte ihn Joh. v. Müller. Ob derselbe während seines Aufenthaltes in Bern Gelegenheit hatte, die Chronik direkt zu benützen, oder ob er sie später durch seine Berner Freunde kennen gelernt hat, vermögen wir nicht zu entscheiden. Er nennt A. « einen ernsten, redlichen, der altrömischen Hohheit nicht fremden Mann ». « Nicht leicht, sagt er, ist eine Schweizerische Chronik so würdig dem Tschudischen Hauptwerk verglichen zu werden. Er ist ein Mann der alten Tugend ; in dem Ausdruck seiner Sprache ringt er oft mit seinein Teutsch, ihm römische Kraft und Kürze zu geben» . (Schw. Gesch. V. 1. S. 150. 202.) Unzählige Male hat sich dann Müllers Fortsetzer GlutzBlotzheim auf Anshelm als Quelle berufen. Hier lesen wir (Müller V. 2. Einleitg. XII.): « Unter den Chroniken behauptet den ersten Rang die von Anshelm aus Auftrag der Bernischen Regierung geschriebene. Zuschauer der grössten Begebenheiten, mit allen Wissenschaften seiner Zeit vertraut, mit den ersten Kriegs und Staatsmännern bekannt, ein feuriger, unerschrockener Freund der Freiheit und der Schweiz, aber auch der Wahrheit und des Rechts, schrieb er eine Chronik. Von der Vortrefflichkeit seiner Darstellung, von seiner Freimüthigkeit, seiner kräftigen, blumenreichen Sprache kann der Verfasser schweigen, indem die vielen angeführten Stellen A.'s Lob laut genug verkünden ». Dass Anton von Tillier seine Geschichte des Freistaates Bern für den Beginn des XVI. Jahrhunderts im wesentlichen auf den unterdessen durch den Druck zugänglich gemachten Anshelm stützte, war selbstverständlich. Die ganze Zuverlässigkeit und Aktenmässigkeit ist aber erst recht deutlich zu Tage getreten, seitdem das Erscheinen der « Eidgenössischen Abschiede » und der Stürler'schen « Urkunden zur Berner Kirchenreform » die Vergleichung mit dem amt ichen Material des Archivs ermöglicht hat. Die eingehendste, allseitigste Würdigung ist unserm Chronikschreiber zu Theil geworden durch G. Tobler in dem von ihm bearbeiteten Theile der Berner Festschrift von 1891: 4 Die Chronisten und Geschichtsschreiber des alten Bern D. Wir geben hier nur seine schliessliche Zusammenfassung : « A.'s Werk weitet sich über die lokalen Gränzen zu einer Geschichte der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs und Italiens aus, und gerade hierin liegt ihre hauptsächlichste Bedeutung. Aber über dem Grossen lässt er auch das Kleine, soweit es charakteristisch ist, nicht aus dem Auge; mit bewunderungswürdigem Scharfblick versteht er zahllose, scheinbar kleinliche, aber bezeichnende Ereignisse und individuelle Aeusserungen zu erfassen und sie in die Darstellung so geschickt einzuweben, dass dieselbe an Schärfe der Zeichnung nur gewinnt. Und dieses so anziehende Bild der gewaltigen Zeitereignisse stattet er mit einer ungemein markigen, mit sprechenden Bildern und ironisch-satyrischen Anspielungen gesättigten Sprache aus, die sich sehr oft zu der schonungslosen Schärfe epigrammatischer Sentenzen zuspitzt.» 3) Hier, bei Tobler, finden wir denn auch das vielsagende Urtheil Leopold Ranke's erwähnt: «Anshelm Valerius Ryd's Chronik gehört vielleicht zu den besten unserer ältern Litteratur.» 4) Dieser Ausspruch allein dürfte genügen, um die Pflicht einer vollständigen Herausgabe des Werkes zu begründen. Endlich ist noch zu vergleichen die kurz und knapp gedrängte, aber allseitig treffende Charakteristik in G. von Wyss «Geschichte der Historiographie in. der Schweiz.» 5) 1) Haller (Bibl. d. Schw. Gesch. IV, No. 624) nennt deren nur 5, nämlich die Pergamentabschrift, und eine «Abschritt auf Papier' (das nicht als solches erkannte Original), beide in der Stadtbibliothek; und 3 andere in Privatbesitz. Die merkwürdigste dieser Copien scheint er nicht gekannt zu haben, es ist das diejenige des Reformators Berchtold Haller, von wel-cher hiernach die Rede sein muss. 2) S. 188 in der Biogr. des Reformators Seb. Meyer. 3) Festschrift zur VII. Säcularfeier der Gründung Berns. 1891. Tobler, Seite 52. 4) Ranke. Zur Kritik neuerer Geschichtsschreiber. Sämmtl. Werke. Bd. 34, S. 149. 5) Zürich 1895. S, 187. | ||||